Annkathrin Wulff: Im dritten Anlauf in den Landtag von Baden-Württemberg?
Eva-Maria Gebhardt / vorwärts
Im dritten Anlauf soll es gelingen: Annekathrin Wulff will für Pforzheim und die SPD in den Landtag von Baden-Württemberg.
„Ich habe mich schon immer dafür eingesetzt, die Welt für alle ein Stück besser zu machen“, sagt Annkathrin Wulff. Deswegen ist sie im Februar 2005 noch als Schülerin in die SPD eingetreten. Mehr als 20 Jahre später könnte ihr Weg nun in den baden-württembergischen Landtag führen: im dritten Anlauf nach 2016 und 2021. Dank eines neuen Wahlsystems und Platz zehn auf der SPD-Landesliste sieht es diesmal gut für sie aus. Doch Wulff sagt: „Darauf ruhe ich mich nicht aus.“
Eine alles andere als rosige Ausgangslage für die SPD
Sie eilt aus der Tiefgarage des Pforzheimer Rathauses. Acht Genoss*innen warten an einem Donnerstag Anfang Februar um 13.30 Uhr bei strahlendem Sonnenschein bereits auf dem Marktplatz, um ihre Kandidatin zu unterstützen. Wulff hat für alle rote Mützen dabei. Manche zieren sich, andere ziehen die Kopfbedeckung mit dem SPD-Logo stolz auf. Die roten Taschen mit Flyern, Kugelschreibern und Gummibärchen hängen sich alle über die Schulter.
Dann geht es los. Durch die Fußgängerzone und direkt auf die Menschen zu. Mit dabei ist auch die SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium Katja Mast. Sie unterstützt Wulff heute, „weil wir eine super engagierte, soziale Stimme für Pforzheim im Landtag brauchen“. Trotz ihrer Prominenz ist sie sich nicht zu schade, für ihre Partei auch auf Landesebene mitanzupacken. „Ich mache immer Wahlkampf für meine Partei“, sagt Mast im Gespräch mit dem „vorwärts“,
Das kann die Partei auch gebrauchen. Denn die Ausgangslage für die baden-württembergische SPD ist viereinhalb Wochen vor der Wahl alles andere als rosig. In landesweiten Umfragen steht sie bei acht Prozent und droht im Zweikampf zwischen CDU und Grünen zerrieben zu werden. In Pforzheim, der knapp 135.000 Einwohner*innen zählenden Großstadt am Nordrand des Schwarzwaldes, kommt die AfD als Herausforderung dazu. Denn mit dem Niedergang der Uhren- und Schmuckstadt begann der Aufstieg der rechtsextremen Partei.
Kandidatin in einer Hochburg der extremen Rechten
In Westdeutschland zählt Pforzheim zu den Hochburgen der extremen Rechten. Das wird auch in der Innenstadt deutlich. Ein Mann auf einem Fahrrad pöbelt in Richtung der Sozialdemokrat*innen: „Ihr seid die wahren Faschisten. Ihr zerstört Deutschland!“ Wulff lässt sich davon nicht einschüchtern. Nach 21 Jahren in der SPD und sieben Jahren im Gemeinderat habe sie sich ein dickes Fell zugelegt, erzählt Wulff später während der Fahrt in ihrem Nissan durch die Stadt. Ihr Auto ist in diesen Tagen nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern auch Wahlkampfmobil und Kleiderschrank.
Denn viel Zeit zum Durchatmen bleibt der 39-jährigen Gymnasial- und Berufsschullehrerin nicht. Noch bis 12.55 Uhr hat sie an diesem Tag Geschichte der Goldschmiedekunst unterrichtet. Im Grunde hat sie aktuell zwei Vollzeitjobs: einerseits als Lehrerin und Hauptpersonalrätin für Berufliche Schulen am Kultusministerium und andererseits ehrenamtlich in der SPD. Sie ist nicht nur Partei- und Fraktionsvorsitzende in Pforzheim, sondern auch Kreisvorsitzende und Mitglied im SPD-Landesvorstand. So viel Engagement blieb nicht unbemerkt. 2020 erhielt sie den Helene-Weber-Preis für engagierte Kommunalpolitikerinnen und ist seitdem Teil eines überparteilichen Netzwerkes. „Das ist eine ganz tolle Hilfe. Der Austausch hilft enorm“, sagt sie.
„Wir stehen voll hinter ihr“
Auf Frauensolidarität kann sich Wulff auch in Pforzheim verlassen. Gemeinsam mit Katrin Troisi-Kampmann bildet sie seit Ende 2024 die erste weibliche Doppelspitze eines SPD-Ortsvereins. „Wir stehen alle voll hinter ihr“, bekräftigt Wulffs -Co-Vorsitzende.
Für sie gilt das wörtlich, als die beiden durch den Arlinger laufen, um an Türen zu klingeln und um Stimmen zu werben. Es ist der Stadtteil, in dem Wulff selbst seit 2013 wohnt. Viel Grün, eine gute Gemeinschaft, mit verzierten Häusern und Vorgärten mit Gartenzwergen. Eine ältere Frau sagt: „I wünsch Ihne von ganzem Herzen viel Erfolg und viele Kreuzle.“ Sie habe schon immer SPD gewählt.
„I wünsch Ihne viele Kreuzle“
Im Gegensatz zu einer Gruppe von 17-jährigen Schüler*innen, die am Abend hungrig im SPD-Büro warten. Sie sind zum ersten Mal wahlberechtigt und Wulffs Einladung zu Pizza und Politik gefolgt. Es gibt Salami-Pizza, Margherita, eine Variante mit Gemüse und natürlich Politik. „Wie man unschwer erkennen kann, kandidiere ich für den Landtag“, stellt sich Wulff und das Programm ihrer Partei erst einmal vor. Eine große Rolle spielt die Bildungspolitik.
Ein Schüler, der vor einem halben Jahr in die SPD eingetreten ist, kritisiert: „Das, was vom Land kommt, funktioniert nicht, obwohl die Lehrer bereit wären, es zu nutzen.“ Wulff antwortet ihm: „Das nehme ich gerne noch mal mit in die nächste Besprechung im Hauptpersonalrat, wenn die Amtsspitze des Kultusministeriums uns nicht glaubt, wie es in der Praxis läuft.“
„Pforzheim hat viel Potenzial.“
Was alle an diesem Abend umtreibt, ist Pforzheims Ruf als wahlweise Staustadt, rechte Hochburg oder hässlichste Stadt Deutschlands. Wulff sagt: „Pforzheim hat viel Potenzial, das wir manchmal gar nicht so zu schätzen wissen.“ Davon will sie ab März auch ihre Kolleg*innen im Landtag überzeugen.
ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo