Frauen im Niedriglohnsektor: Warum ein höherer Mindestlohn nicht genügt
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Beispiel Putzhilfe: Schlecht bezahlte Jobs werden besonders häufig von Frauen ausgeübt.
Der Niedriglohnsektor schrumpft, seit es in Deutschland einen Mindestlohn gibt – immer mehr Menschen verdienen derzeit mehr als 14 Euro pro Stunde. Das ist richtig, und es ist ein großer Erfolg.
Doch zur Wahrheit gehört auch: Frauen bleiben im Niedriglohnsektor überrepräsentiert. Ungefähr jede fünfte arbeitende Frau in Deutschland verdient in Vollzeit weniger als 2.500 Euro brutto. Auch werden deutlich mehr Minijobs von Frauen als von Männern ausgeübt – laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung arbeitete 2023 fast jede siebte Frau, aber nur jeder elfte Mann ausschließlich in einem Minijob für wenige Hundert Euro im Monat. Das bedeutet: Neben dem schmalen Taler sind sie nicht sozial abgesichert.
Frauen im Niedriglohnsektor, das sind Verkäuferinnen, Reinigungskräfte, Pflegehelferinnen, Friseurinnen, Kassiererinnen. Die meisten von ihnen haben ihre Berufe nicht ganz freiwillig gewählt. Vielmehr sind sie das Ergebnis struktureller Benachteiligung, die weit vor dem ersten Arbeitstag beginnen.
Niedriglohnsektor: Warum so viele Frauen wenig verdienen
Drei Faktoren kommen dabei zusammen.
Erstens: die unbezahlte Care-Arbeit. Frauen bekommen Kinder, übernehmen nach wie vor den Großteil ihrer Betreuung, pflegen Angehörige und kümmern sich um den Haushalt. Dadurch können sie ihren Beruf nur reduziert ausüben, landen in schlechter bezahlten Teilzeit- oder in Minijob-Tätigkeiten, haben anschließend kaum Aufstiegschancen oder Verhandlungsmacht – und bleiben im Niedriglohnsektor hängen.
Zweitens: Berufe mit einem hohen Frauenanteil werden systematisch unterbezahlt, das gilt nicht zuletzt für Pflege und Erziehung. Die hohe körperliche und emotionale Belastbarkeit, die Krankenpflegerinnen und Kindergärtnerinnen mitbringen müssen, wird schlicht nicht angemessen entlohnt. Obendrein ist in Branchen mit hohem Frauenanteil auch noch die Tarifbindung schlechter.
Ein Einwand, der an dieser Stelle gern fällt, lässt sich sofort entkräften. Nein, Frauen sind nicht einfach selbst schuld an ihrer Berufswahl. Denn drittens: Ihr Werdegang ist durch Geschlechternormen geprägt. Mädchen werden auch heute noch in die Richtung von Berufen erzogen, in denen sie kommunizieren, helfen und pflegen. Jungen landen dagegen deutlich häufiger in Tätigkeiten, in denen sie technisch arbeiten oder sich behaupten. Als Ingenieure und Anwälte werden sie besser bezahlt. Auch Frauen können, wenn sie wollen, Ingenieurinnen oder Anwältinnen werden. Sie müssen sich in diesen Branchen allerdings vehement gegen männliche Chefs und Kollegen behaupten.
Höherer Mindestlohn: Was er kann – und was nicht
Das alles sind strukturelle Hürden, die das Erwerbsleben von Frauen behindern und ihren Anteil im Niedriglohnsektor fördern. Ein höherer Mindestlohn würde helfen, er reicht allerdings nicht, um die Wurzel des Problems zu beheben.
Die eigentlichen Probleme heißen: Mangel an flächendeckender, bezahlbarer Kinderbetreuung und fehlendes Selbstverständnis für die Notwendigkeit von Arbeitsteilung in der Familie. Sie heißen: Ehegattensplitting, das Alleinverdiener*innen steuerlich begünstigt, und festgefahrene Stereotype, die zu Benachteiligung und Diskriminierung am Arbeitsplatz führen.
Was es dagegen wirklich braucht, ist eine Politik, die gesellschaftlich umstrukturiert. Die Sorgeberufe durch Tarifverträge aufwertet, die Mädchen in Kitas und Schule breiter fördert, die Ehegattensplitting abschafft und den Gender-Pay-Gap mit einem wirksamen Entgelttransparenzgesetz bekämpft. Die SPD hat vieles davon gefordert. Bleibt abzuwarten, was sie umsetzen kann.