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Rentenreform: Das sind die Kürzungsvorschläge der Jungen Union

18. Februar 2026 12:00:24
Länger arbeiten, Leistungen kürzen, Zuschläge für Kinderlose – die Vorschläge der Jungen Union für eine Rentenreform dürften in der Koalition für Diskussion sorgen. Wir erklären, wie die Pläne aussehen und was SPD und DGB dazu sagen.
Euro-Münzen vor einem Schild mit der Aufschruft Rente

Erst im vergangenen Jahr hatten Vertreter*innen der Jungen Union auf sich aufmerksam gemacht, als sie das von SPD und Union gemeinsam verabredete Rentenpaket bei der Abstimmung im Bundestag fast zum Scheitern brachten. Mit ihren Forderungen zu „Reformen in der Rentenpolitik“ sorgt die sogenannte Junge Gruppe innerhalb der Union nun wieder für Aufmerksamkeit. Die Forderungen sind Teil des Antragsbuchs zum 38. Parteitag der CDU, der am 19. Februar in Stuttgart startet. Wirklich neu sind diese Sparpläne nicht, dürften jedoch in der Koalition für Diskussionen sorgen, denn zwei ihrer Vertreter, Pascal Reddig (CDU-Fraktion) und Florian Dorn (CSU-Fraktion) sind Mitglieder der Rentenkommission, die bis Mitte des Jahres Pläne für eine Reform der gesetzlichen Rentenversicherung vorlegen sollen.

Junge Union: Renteneintrittsalter an Lebenserwartung koppeln

In ihrem Antrag E22: „Reformjahr 2026 – Mut zu Entscheidungen“ fordert die JU Einsparungen in der Rentenversicherung, die zu Lasten der gesetzlich Versicherten gehen. Ihr Forderungskatalog enthält unter anderem die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung, weil sich durch die längere Lebenserwartung „nicht nur die Rentenbezugszeit, sondern auch die gesunden Rentenjahre“ verlängern, heißt es im Antrag. Gemäß einer „3:1-Regel“ soll sich danach ab dem Jahr 2031 das Renteneintrittsalter alle zehn Jahre um sechs Monate erhöhen.

Aus für „Rente mit 63“

Die „Rente mit 63“ will die JU abschaffen und die Abschläge bei der „Altersrente für langjährig Versicherte“ erhöhen, da sie ihrer Meinung nach „starke Frühverrentungsanreize“ setzten. Konkret sollen sich die Abschläge, die bei einem vorzeitigem Rentenbeginn aktuell bei 0,3 Prozent pro Monat liegen, die ein Erwerbstätiger früher in Rente geht, auf 0,6 Prozent pro Monat verdoppeln. Wer also beispielsweise plant, zwölf Monate vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter in Rente zu gehen, muss Abschläge in Höhe von 7,2 Prozent statt bislang 3,6 Prozent in Kauf nehmen. 

Kinderlose sollen mehr zahlen

Darüber hinaus ist geplant, das kinderlose Erwerbstätige ebenso wie Erwerbstätige mit nur einem Kind höhere Beitragssätze zur Rentenversicherung zahlen müssen. Renten sollen künftig auch nur noch an die Preisentwicklung und nicht mehr an die Lohnentwicklung angepasst werden. Damit soll die finanzielle Belastung für die Rentenkassen deutlich reduziert werden, so die Argumentation. Allerdings werden so die Renten von der Lohnentwicklung abgekoppelt. Das ist schlecht für Rentnerinnen und Rentner, da die Löhne traditionell mehr steigen als die Inflation.

Demografischer Wandel als Begründung

Wie üblich in Debatten um die Finanzierung der Rentenkasse verweist auch der Antrag der JU auf den demografischen Wandel. „Niedrige Geburtenzahlen auf der einen und eine zunehmende Lebenserwartung auf der anderen Seite, führen für jeden erkennbar dazu, dass das bestehende Umlagesystem nicht mehr finanzierbar sein wird“, heißt es dazu.

Dass dieser Ansatz zu kurz greift, darauf weisen Rentenexpert*innen schon länger hin. Ihnen zufolge spielt die Geburtenrate zur Stabilisierung der Rentenversicherung eine eher untergeordnete Rolle. Entscheidend sei vielmehr die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. So konnte der Effekt, dass es immer weniger junge Menschen gebe und gleichzeitig immer mehr Ältere, in den letzten zwei Jahrzehnten durch höhere Erwerbstätigenquoten ausgeglichen werden, erklärte Ulrike Stein, Rentenexpertin beim Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung im Interview mit dem „vorwärts“. Sie betonte, dass es da noch Luft nach oben gebe, auch weil zu viele junge Menschen weder einen Schulabschluss noch eine abgeschlossene Berufsausbildung und damit schlechtere Chancen auf einen gut bezahlten Job haben. 

In seinem aktuell erschienenen Buch „Die erfundene Bedrohung“ räumt Wirtschaftsjournalist Andreas Hoffmann ebenfalls mit der Dramatisierung der alternden Gesellschaft auf. Er spricht von einer „Angstindustrie“, die den demografischen Wandel dafür verantwortlich mache, dass Rente, Gesundheit und Pflege nicht mehr finanzierbar seien. In seinem Buch analysiert er jene Bevölkerungsprognosen, die seit über 100 Jahren vor dem demografischen Kollaps warnen, der dann aber nie eingetreten ist.

Was sagen SPD und DGB?

Bernd Rützel, Vorsitzende des Ausschusses Arbeit und Soziales im Deutschen Bundestag, hält die Rentenpläne der CDU für praxisfremd. „Länger arbeiten als Pflicht, wer eher geht bekommt doppelte Abschläge und wer nur ein Kind hat soll bestraft werden. Für mich ist das respektlos“, erklärte er auf Nachfrage des „vorwärts“. Rützel hofft, dass die Pläne der Union schnell wieder verschwinden. „Was bleibt ist die Verunsicherung der Menschen. Das hat die Union zu verantworten. Die SPD zeigt hier das Stoppschild.“

DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel kritisierte die Reformvorschläge der Jungen Union zur Rente, weil er die Gesellschaft weiter auseinandertreibe. „Erst hetzen sie jung und alt gegeneinander auf, dann Menschen mit gegen Menschen ohne Kinder.“ Wohlstand im Alter an die Zahl der Kinder zu koppeln, führe ihrer Meinung nach zurück ins Mittelalter, „als Alte nur überlebten, wenn ihre Kinder sie durchbringen konnten“. Ihrer Meinung nach sei der große Vorteil der solidarischen Sozialversicherungen, dass „niemand alt, krank, pflegebedürftig oder arbeitslos in Not endet“. 

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Vera Rosigkeit

hat Politikwissenschaft und Philosophie in Berlin studiert und ist Redakteurin beim vorwärts.

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5 Kommentare

Gespeichert von Ute (nicht überprüft) am Fr., 20.02.2026 - 10:44

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Ich schlage vor, diejenigen, die abkassieren, aber nie eingezahlt haben in das System mal rauszunehmen.
Rente an die Lebensarbeitszeit koppeln, wenn ich mit 63 ununterbrochen 45 Arbeitsjahre habe, 45 Jahre Sozialabgaben (Beiträge) gezahlt habe, habe ich mehr Anrecht auf Rente, als viele Dahergelaufene, die niemals was geleistet haben, nie eingezahlt haben. Länger arbeiten in dem Fall: Nein Danke. Man ist mehr krank und fällt mehr aus. Gesundheit und Lebensqualität ist entscheidend. Und es geht nicht nur ums länger arbeiten, ich muss auch noch pendeln, das ist nicht mehr zu schaffen je älter man wird.
Letztendlich gehts mir nur um mich, meine Gesundheit und nicht länger arbeiten, um diejenigen zu verhalten, die bis heute nichts beigetragen haben. Nicht einzusehen. Warum soll man überhaupt noch privat vorsorgen oder länger arbeiten, wenn einem alles genommen wird. Lieber Abschläge und gesund sein, je später in Rente, desto mehr Steuern drauf. Auch so ne Verarsche.

Gespeichert von Dirk Güntner (nicht überprüft) am Fr., 20.02.2026 - 11:11

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Moin aus Hattingen,
es ist schon erstaunlich das sich Politiker um die junge Generation sorgen die selbst tief in die Rentenkasse hereingreifen. Umgerechnet 27 Rentenpunkte gönnen die sich für 4 Jahre MdB im Bundestag...
Über den einen oder anderen Punkt muss man diskutieren, Kinderlosigkeit, Lebensarbeitszeit (aber dann bitte definieren was das ist) oder private Vorsorgemöglichkeiten. Das Thema "Betriebsrente sollte auch mal "geradegezogen" werden: nur knapp 53% haben eine Betriebsrente - und der größere Teil davon wird durch AN über eine Entgeldumwandlung vom Arbeitnehmer überwiegend finanziert - also privat. Für mich ist das Etikettenschwindel.

Gruß aus Hattingen
Dirk Güntner

Die Jungunionisten, die hier Forderungen unterbreiten, zahlen vermutlich keinen Cent in die Rentenkasse, kassieren entweder selbst oder ihre Ehefrauen aber daraus wahrscheinlichversicherungsfremde Leistungen und wollen dann noch den ehrlichen Beitragszahlern deren Renten kürzen.
Das ist nicht nur völlig unchristlich, sondern auch Veruntreuung von Geldern.

Gespeichert von Reuter, Thomas (nicht überprüft) am Fr., 20.02.2026 - 22:08

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Die Rentenkasse war voll. Man hätte mit den Zinsen die Renten bezahlen können.
Leider konnten die Politiker das Geld nicht sehen und haben es Zweckentfremdet.
Deutsche Einheit Bankenkriese Wegebau usw. Ein Bankmitarbeiter würde wegen Betrug eingesperrt.
Danke Politiker aller Regierenden Parteien die Das Geld nicht sehen konnten.

Gespeichert von Bernd (nicht überprüft) am So., 22.02.2026 - 12:57

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Es ist beschämend was von der Rentenkommision bzw junge Union oder auch der CDU gefordert wird.
Rente mit 70 Abschläge auf Rente mit 63 erhöhen oder auch die weiteren Vorschläge.
Was ist das für eine Wertschätzung für die Menschen die den Wohlstand dieses Landes erarbeitet haben.
Man muss nur schauen wer in dieser Kommision sitzt dann versteht man sehr schnell.
Beamte werden schön weiter Pensionen inklusive 13 Monatsgehalt bekommen finanziert von den Menschen denen man die Rente erhöht bzw kürzt.
Bei der Rente mit 63 wenn die Abschläge weiter erhöht werden wird dies niemand der kränklich ist leisten können und wird vorher ins Alg1 gehen vor der Rente und wird das Sozialsystem noch weiter belasten.
Bei den Abschlägen muss man bedenken das wenn man 4jahre früher in Rente geht nicht nur 14.4%abgezogen werden l ebenslang sondern auch noch 4Jahre Einzahlung in Rente verloren gehen.
Bei Rente mit 70 die kaum hart arbeitende Leute schaffen können ist es reine Rentenkürzung.
SPD eure Chance..