Inland

Jusos vor Landtagswahl MV: Ist das Wahlkampf – oder Ostseeurlaub?

23. Juli 2026 11:47:19
Strand, Lagerfeuer und Wahlkampf – auf den ersten Blick passt das nicht zusammen. Doch genau so rufen die Jusos in Mecklenburg-Vorpommern zur Unterstützung der SPD auf, die im Duell gegen die AfD steht. Kann das funktionieren?
Urlauber am Strand von Rostock-Warnemünde

Urlauber*innen am Strand von Rostock-Warnemünde in Mecklenburg-Vorpommern.

Wenn Marvin Müller an die bevorstehende Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern denkt, kommen ihm weite Strände und romantische Steilküsten in den Sinn. Mit anderen Worten: Der Landesvorsitzende der Jusos denkt an Urlaub. Damit ist aber keine private Ferienreise gemeint, sondern ein zentrales Instrument, mit dem die Jungsozialist*innen für ihre Wahlkampagne mobilisieren. „Wahlkampf, wo andere Urlaub machen“: So steht es in einem Aufruf der Nordost-Jusos auf Instagram an andere Landesverbände der SPD-Nachwuchsorganisation, die Genoss*innen zu unterstützen.

Bei der Landtagswahl am 20. September steht einiges auf dem Spiel. Umfragen sagen ein Duell zwischen der SPD mit ihrer Spitzenkandidatin und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig auf der einen und der AfD auf der anderen Seite voraus. Eine repräsentative Umfrage von infratest dimap im Auftrag des NDR sieht die Rechtsextremen derzeit mit 36 Prozent als stärkste Kraft. Die SPD konnte zuletzt leicht zulegen und landet mit 29 Prozent auf dem zweiten Platz.

Damit die Sozialdemokratie einen Wahlsieg einfährt, sammeln die SPD und die Jusos derzeit alle verfügbaren Kräfte. „Unser Ziel ist ein Land, das zusammenhält“: Dieses Motto stellt die SPD ins Zentrum ihrer Kampagne. Der SPD-Nachwuchs hat diesen inhaltlichen Faden aufgenommen. Und er zeigt, warum Zusammenhalt innerhalb der Sozialdemokratie in der aktuellen Lage mehr denn je zählt.

Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern: Jedes Wochenende kommen Jusos aus ganz Deutschland

Einige Juso-Landesverbände folgten dem Aufruf „Wahlkampf, wo andere Urlaub machen“. Wochenende für Wochenende reisen junge Leute mit Bus und Bahn an, um Infostände zu besetzen, Flyer zu verteilen und Menschen auf der Straße anzusprechen. Aber auch, um dabei das Land besser kennenzulernen. Wenn im August die Wahlplakate aufgehängt werden, sind helfende Hände besonders gefragt. 

Er kämpft 
um seine Heimat

Marvin Müller ist Juso-Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern. Mit der AfD hat er auch als Kommunalpolitiker auf der Insel Rügen zu tun.

Marvin Müller Vorsitzender der Jusos in Mecklenburg-Vorpommern

Vom 14. bis zum 17. August starten die Jusos im Ostseebad Ribnitz-Damgarten ein dreitägiges Kampagnen-Programm. Auch hierzu werden junge Genoss*innen aus anderen Landesverbänden erwartet. Sie werden aber nicht nur Info-Stände betreuen und Flyer verteilen, sondern auch Ausflüge unternehmen und abends gemeinsam am Strand feiern. 

Mit dabei sind auch die Hamburger Jungsozialist*innen. Deren Wahlkampfbeauftragter Clemens Schlage ist überzeugt, dass das Konzept, Ferienflair und Wahlkampf miteinander zu verbinden, aufgeht. „Dieses Wochenende im August wird sich ein bisschen wie eine Klassenfahrt anfühlen“, so der 24-Jährige. „So eine Mischung motiviert die Leute, man knüpft Kontakte, das bringt Gewinn über den reinen Wahlkampf hinaus.“ 

Wie die Jusos gegen den Zulauf zur AfD mobilisieren

Das Erstarken der AfD bereitet dem 24-Jährigen, der aus Rostock stammt, Sorge. Er sieht darin aber auch einen Ansporn: „Wir haben Angst, dass unsere wunderschöne Heimat durch die AfD den Bach runtergeht. Dementsprechend powern sich jetzt alle aus. Es werden Ressourcen mobilisiert, von denen wir gar nicht dachten, dass sie gibt. Bis zum Wahltag versuchen wir, an jedem Wochenende vor Ort zu sein.“

Der Wahlkampfmanager

Clemens Schlage ist Wahlkampfbeauftragter der Jusos in Hamburg. Der 24-Jährige und seine Genoss*innen sind derzeit viel in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs.

Clemens Schlage von den Jusos Hamburg

Ohne Hilfe von außen wären viele Wahlkampfaktivitäten der Jusos im Nordosten undenkbar. „Wir wollen überall präsent sein, in jedem Dorf, dafür brauchen wir Unterstützung von außen“, so Müller. Diese kommt aktuell vor allem aus den benachbarten Landesverbänden in Hamburg und Schleswig-Holstein. Und sie wird dringend gebraucht. 36 Wahlkreise gibt es in dem ebenso weitläufigen wie dünn besiedelten Landstrich zwischen Ostseeküste und Seenplatte zu betreuen. Die gut 3000 heimischen SPD-Mitglieder und 500 Jungsozialist*innen aus Müllers Landesverband können das allein kaum schaffen.

In einem Punkt aber verlassen sich die Jusos dort gewissermaßen auf sich selbst. Nämlich dann, wenn es darum geht, für die Stärken und schönen Seiten des Bundeslandes zu werben. „Die AfD versucht dieses Land schlechtzumachen und Untergangsstimmung zu verbreiten“, erklärt Schulz. „Wir halten mit einer positiven Grundstimmung dagegen, die auch von den Ostseestränden und den vielen Seen zehrt. Aus dieser guten Laune möchten wir die Menschen davon überzeugen, dass es sich lohnt, am 20. September wählen zu gehen. Und dass sie ihre Stimme nicht den Miesmachern von der AfD geben, sondern denen, die Mecklenburg-Vorpommern in den letzten 30 Jahren zu dem gemacht haben, was es ist.“ Der 26-Jährige betont: „Das hier ist unser Zuhause, wir werden es nicht der AfD wird es nicht überlassen.“ 

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