Inland

Deutschland-Monitor: Ja zur Demokratie – aber offen für autoritäre Züge

19. February 2026 16:48:20
Die Deutschen sind grundsätzlich von der Idee der Demokratie überzeugt – liebäugeln aber immer mehr mit autoritären Zügen. Und der „Deutschlands-Monitor 2025“ kommt noch zu weiteren beunruhigenden Ergebnissen.
Die große Mehrheit der Deutschen ist von der Demokratie überzeugt, aber offen für Ideen, die dem widersprechen.

Die große Mehrheit der Deutschen ist von der Demokratie überzeugt, aber offen für Ideen, die dem widersprechen.

Jede*r Fünfte in Deutschland ist für autoritäre Ideen empfänglich. Das ist ein Ergebnis des Deutschland-Monitors 2025, einer Studie, die jährlich die politischen Entstellungen der Deutschen untersucht. Der Monitor wird von der Ostbeauftragten der Bundesregierung Elisabeth Kaiser gefördert, die gemeinsam mit zwei der Autor*innen die Ergebnisse am Donnerstag vorstellte.

Diese haben im vergangenen Jahr insgesamt 8.000 Menschen befragt: 4.000 älter als 16 Jahre bundesweit sowie 4.000 weitere im Rahmen von „Regionalstichproben“. Wie schon in den Vorjahren sind die Antworten regional unterschiedlich. So zeigte sich in Ostdeutschland mehr als jede*r Vierte in Teilen offen für autoritäre Ideen. In strukturschwachen Regionen wie dem ländlichen Mecklenburg-Vorpommern waren solche Ideen sogar bei jede*m Dritte*n verbreitet. 

Ein Drittel befürwortet Einparteienherrschaft

Insgesamt zeigt die Studie eine sehr hohe Zustimmung zur Idee der Demokratie – so äußerten sich 99 Prozent der Befragten. Widersprüchlich scheint, dass gleichzeitig die Zustimmung zu Aussagen steigt, die einer rechtsstaatlichen und demokratischen Staatsform widersprechen.

So befürwortete bundesweit rund ein Drittel der Befragten eine Einparteienherrschaft, also eine „einzige starke Partei, die den Willen des Volkes insgesamt verkörpert“. Knapp ein Viertel der Befragten war unentschlossen, wie sie zu einer Einparteienherrschaft stehen, nur 45 Prozent lehnten sie ab.

Jede*r Zehnte für starke Führungspersönlichkeit

Die „ideelle Zustimmung zur Demokratie als Staatsform“ sei keinesfalls gleichbedeutend mit der Zustimmung zu den Wesensmerkmalen rechtsstaatlicher sozialer und liberaler demokratischer Verfassungsstaaten, schreiben die Autor*innen der Studie. Tatsächlich äußerte offenbar gut jede*r Zehnte, demokratische Entscheidungen sollten „von einer starken Führungspersönlichkeit getroffen werden“, ohne Rücksicht auf ein demokratisch gewähltes Parlament. 20 Prozent hatten auf diese Frage keine klare Antwort.

Eine Mehrheit von 68 Prozent lehnte eine Staatsführung ohne Gewaltenteilung ab – eine deutliche Verschlechterung, denn 2024 waren das noch 82 Prozent der Befragten. Grundsätzlich ist die Zustimmung zu diesen Ideen in Ostdeutschland etwas höher. 35 Prozent befürworteten eine Einparteienherrschaft, 15 Prozent der Befragten sprachen sich für eine „starke Führungspersönlichkeit“ aus. 

Aber: Mehrheit der Gesellschaft ohne autoritäres Staatverständnis 

Ein echtes autoritäres Staatsverständnis konnten die Autor*innen bei der überwiegenden Mehrheit der Gesellschaft (77 Prozent) aber nicht feststellen. Nur vier Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, unter bestimmten Umständen sei „eine Diktatur die bessere Staatsform“. In Ostdeutschland sprachen sich sechs Prozent dafür aus.

Auffällig ist, dass sich Menschen in strukturstarken Kreisen im Osten wie in den Regionen Leipzig oder Dresden ähnlich äußern wie Menschen im Westen, hier unabhängig von der Strukturstärke der Region. „Der Zusammenhang zwischen populistischen Einstellungen und der Strukturschwäche vieler Regionen, insbesondere im Osten, ist offensichtlich“, sagte die  Ostbeauftragte Kaiser am Donnerstag. Die Autor*innen unterstrichen deswegen die „Bedeutung gleichwertiger Lebensverhältnisse“ und die „gleichwertige Anerkennung ostdeutscher Lebensleistungen“, um die demokratische Widerstandsfähigkeit zu steigern. 

40 Prozent unzufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie

Trotz der insgesamt hohen Zustimmung zur Idee der Demokratie zweifeln offenbar viele, ob sie in Deutschland funktioniert. In Ostdeutschland zeigte sich jede*r Zweite unzufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie. Bundesweit waren es 40 Prozent. Mehr als 70 Prozent glauben insgesamt, mit der Demokratie geht es in Deutschland bergab. In den strukturschwachen ostdeutschen Regionen gab jeder Fünfte an, kein Vertrauen in die Politik zu haben. 

Die Ostbeauftragte Kaiser sieht angesichts der Ergebnisse das „demokratische Zusammenleben unter Druck“. „Ich verstehe das als Aufruf, soziale Aspekte in den Mittelpunkt zu stellen, Abstiegsängsten entgegenzutreten und den Menschen Perspektive zu geben“, sagte sie.

Ein Viertel ist offen für Veränderungen

Eine positive Nachricht gab es dann aber doch: Die Deutschen sind den Autor*innen des „Deutschlands-Monitors“ zufolge nicht veränderungsmüde. Ein knappes Viertel (23 Prozent) der Befragten sei vielmehr offen und bereit für gesellschaftlichen Wandel und nehme diesen als gesellschaftliche Chance wahr. Das zeigten Antworten zu Fragen von Veränderung in den Bereichen Verteidigung und Migration. In Sachen Rente sieht das anders aus: 58 Prozent der Befragten gaben an, längeres Arbeiten für die gleiche Rentenhöhe als zu hohe Zumutung zu empfinden. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten steht einem Wandel ambivalent gegenüber. Etwas mehr als ein Viertel (26 Prozent) sieht ihn grundsätzlich kritisch.

Der „Deutschlands-Monitor“ wird seit 2023 jährlich erstellt und von der Ostbeauftragten gefördert. Forschungsteams aus dem Zentrum für Sozialforschung Halle, der Universität Jena und dem Leibnitz-Institut für Sozialwissenschaft Mannheim waren daran beteiligt.

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