Steffen Krach: Er soll für die Berliner SPD das Rote Rathaus zurückerobern
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Designierter Berlin Spitzenkandidat Steffen Krach: Es muss eine der Hauptaufgaben der SPD sein, Vertrauen in die Demokratie zurückzugewinnen.
„Berlin macht Krach“ steht auf einem Plakat am Kurt-Schumacher-Haus, der Zentrale der Hauptstadt-SPD. Das Wortspiel liegt nahe, auch wenn es falsche Erwartungen wecken könnte. Als polternder Lautsprecher ist Steffen Krach, der Spitzenkandidat der Berliner SPD für die Abgeordnetenhauswahl 2026, bisher nämlich kaum aufgefallen. Am Samstag, 15. November, wurde Krach auf dem Landesparteitag offiziell nominiert – einstimmig. Doch wer ist dieser Mann, der Regierender Bürgermeister werden will?
Politik statt Lehrer-Laufbahn
Gebürtig stammt der 46-Jährige aus Hannover. Mit 19 Jahren trat er in die SPD ein. Eine politische Laufbahn habe er damals noch nicht angestrebt, erzählt er bei einem Treffen in Berlin. Stattdessen habe er von einer Torwartkarriere bei Hannover 96 geträumt, später wollte er Journalist oder Lehrer werden. Doch damals sei ihm gesagt worden, dass für neue Lehrer kein Bedarf bestehe. Also studierte Krach Sozial- und Politikwissenschaften. Das Studium führte ihn über Göttingen nach Berlin. Später wurde er Referent von Bildungssenator Jürgen Zöllner, leitete schließlich dessen Büro. 2014 wurde Krach zum Staatssekretär für Wissenschaft ernannt.
Als er 2021 Berlin verließ, um als Regionspräsident in Hannover zu kandidieren, hatte er sich einen exzellenten Ruf erarbeitet. Der Berliner „Tagesspiegel” nannte ihn in einem Newsletter „den besten Senator, den Berlin nie hatte“ – ein höchst ungewöhnliches Lob.
Steffen Krach will nur konstruktiven Streit
Krach selbst sagt dazu: „Ich habe immer mit allen offen und transparent zusammengearbeitet“. Erst in einer Koalition aus SPD und CDU, dann in einem rot-grün-rotem Bündnis. Für ihn sei es eine Selbstverständlichkeit, betont Krach, dass man in einer Koalition vertrauensvoll und ehrlich miteinander umgeht. Konflikte scheue er nicht, aber der Streit müsse konstruktiv sein und dürfe nicht in der Öffentlichkeit ausgetragen werden.
Auch als Regionspräsident von Hannover pflegt Krach einen engen Draht zu den Fraktionsvorsitzenden von SPD und Grünen. Die beiden Parteien stellen im Regionsrat die Mehrheit – und diese stand auch stets bei strittigen Themen. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Regina Hogrefe sagt dazu: „Wer sich die Medienberichte der vergangenen Jahre anschaut, wird wahrscheinlich in keinem Artikel finden, dass sich SPD und Grüne öffentlich gestritten hätten.“ Sie beschreibt Steffen Krach als pragmatisch, anpackend und offen für neue Themen.
Als Regionspräsident hat sich Krach bewiesen
Die Region Hannover ist eine Besonderheit in der deutschen Kommunalpolitik. 2001 hat sich die Landeshauptstadt mit 20 Umlandkommunen zusammengeschlossen. Der Kommunalverband soll sich um Bereiche kümmern, die sich besser gemeinsam organisieren lassen, etwa den Öffentlichen Nahverkehr, die Gesundheitsversorgung, Klimaschutz oder Wirtschaftsförderung. Der Regionspräsident ist so etwas wie ein Landrat. Allerdings ist er für deutlich mehr Einwohner*innen zuständig, nämlich 1,1 Millionen.
Der Regionspräsident muss mit 21 Bürgermeister*innen auskommen. „Ein Gegeneinander funktioniert da nicht“, weiß Krach. Ihm ist wichtig, ein verlässlicher Ansprechpartner zu sein. Außerdem will er „tun, was notwendig ist, und nicht zwingend nur das, wofür man zuständig ist“. Als Beispiel verweist er auf eine Schwimmoffensive, die er ins Leben gerufen hat. Während der Corona-Pandemie waren viele Schwimmkurse ausgefallen, immer mehr Kinder konnten nicht mehr schwimmen. Also hat Krach die Sportverbände und weitere Akteur*innen zusammengebracht, um die Kräfte zu bündeln und die Schwimmfähigkeiten der Vier- bis Achtjährigen zu verbessern.
Der SPD-Politiker duckt sich nicht weg
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Amtszeit: Mit einer Medizinstrategie wurde die Krankenhauslandschaft in der Region Hannover umfassend umgebaut, um die Versorgungsqualität zu verbessern. Das Projekt war hoch umstritten. Eine Klinik wurde in ein Gesundheitszentrum umgewandelt, das gefiel nicht jedem. Der Regionspräsident stellte sich dem Konflikt, kam mehrfach in den Stadtrat der betroffenen Kommune.
Mit dem 365-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr konnte Krach ein wichtiges Wahlkampfversprechen halten. Die Region bezuschusst das Deutschlandticket für Jobticket-Inhaber, Sozialleistungsbeziehende oder Ehrenamtliche.
Kandidatur in Berlin ist für Krach ein Risiko
Im kommenden Jahr wird der Regionspräsident neu gewählt. Krachs Wiederwahl galt vielen als sicher. Stattdessen folgt er nun dem Ruf der Berliner SPD und fordert den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) heraus. Damit gehe er persönlich ein Risiko ein, sagt Krach. Trotzdem hat er sich gemeinsam mit seiner Frau und den drei Kindern für diesen Schritt entschieden. Schließlich sei es eine große Chance, in einer Hauptstadt seine Ideen umzusetzen. „Wenn man Politik mag, ist es doch das Beste, was man sich wünschen kann“, meint er.
Aktuell werde Berlin vom Roten Rathaus aus unter Wert regiert, kritisiert Krach, nämlich „träge, ambitionslos und halbherzig“. Ein Regierender Bürgermeister dürfe sich nicht nur um Alltagsthemen kümmern, sondern müsse auch eine Idee vorgeben, wie die Stadt in zehn oder 15 Jahren aussehen soll. Die Berliner*innen sind es seit vielen Jahren gewohnt, dass die regierenden Parteien öffentlich übereinander herziehen. Sollte die SPD das Rote Rathaus im September 2026 zurückerobern, kann es durchaus passieren, dass die Stadt künftig geräuschärmer regiert wird – ausgerechnet mit Krach an der Spitze.
arbeitet als Redakteur für die DEMO – die sozialdemokratische Fachzeitschrift für Kommunalpolitik.
Es gibt Grümde ihn über den Klee zu loben.
Er ist Niedersachse und ais dem gleichen Stall wie etliche altbekannte "Genossinnen und Genossen". Fakt ist, daß seit sich die Niedersachsen, und an andere Bundesländer ausgeliehen Niedersachsen, in der SPD breitmachen die Niedergang der Partei sukzesive fortschreitet. Meine Empirie mag zu Fehlschlässen führen aber ich fürchte Schlimmes. Seine Äußerungen zu Wohnen und Mieten sind da eindeutig.
nach der Hikel- Affaire ist die Partei ja schon - man mag dies bestreiten, aber dennoch ist es ja so- stark beschädigt. Hinzu kommt die starke inhaltlich Konkurrenz der Grünen und Linken- Da werden wir zerrieben, fürchte ich. So wie jetzt auch die Führung in Kiel abgegeben werden musste- da stehen wir jetzt auf Platz 3 , die Linken dicht auf den fersen und dann auch noch mit der Besonderheit der Regionalpartei SSW, die auch in unserem revier wildert. Ich sehe buchstäblich schwarz