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Sorgearbeit und Einkommen: Was Equal Care-und Equal Pay Day verbindet

Am heutigen Equal Care Day wird sichtbar: Hausarbeit ist noch immer eine Frauendomäne. Das Problem: Sie wird nicht bezahlt. Um fehlende Bezahlung geht es auch beim Equal Pay Day, der in diesem Jahr einen Tag früher stattfindet.

von Vera Rosigkeit · 29. Februar 2024
Mann bei der Hausarbeit

Die Lücke zwischen Frauen und Männern bei der unbezahlten Arbeit ist etwas kleiner geworden, Frauen verbringen aber dennoch neun Stunden mehr pro Woche bei der Hausarbeit.

Um den Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Zahlen auszudrücken, gibt es in Deutschland verschiedene Kennziffern. Während der internationale Aktionstag Equal Pay Day auf die Lohnlücke zwischen beiden Geschlechtern aufmerksam macht, verweist der Equal Care Day auf den unterschiedlichen Zeitaufwand, den Frauen und Männer ab 18 Jahren für unbezahlte Sorgearbeit aufbringen. Dabei liegen laut Studie des Statistischen Bundesamtes Frauen weit vorne: Sie verbringen deutlich mehr Zeit mit Hausarbeit, mit Kindern und der Pflege von Angehörigen. Das hat Auswirkungen auf ihr Einkommen, u.a. weil sie deutlich häufiger in Teilzeit arbeiten.

So viele Stunden verbringen Frauen und Männer mit Hausarbeit
Frauen verbringen pro Woche rund neun Stunden mehr mit Kindererziehung, Hausarbeit oder der Pflege von Angehörigen als Männer: Sas sind eine Stunde und 17 Minuten Mehrarbeit pro Tag oder wöchentlich knapp 30 Stunden bei Frauen gegenüber 21 Stunden bei Männern. 

So hoch ist der Gender Care Gap 2024
Damit lag laut Statistischem Bundesamt der sogenannte Gender Care Gap im Jahr 2022 bei 43,8 Prozent. So groß ist der unterschiedliche Zeitaufwand, den Frauen und Männer ab 18 Jahren für unbezahlte Arbeit durchschnittlich aufbringen.

Lücke zwischen Frauen und Männern wird kleiner
Die Lücke zwischen Frauen und Männern bei der unbezahlten Arbeit werde im Zeitvergleich kleiner, sagt Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes. Zwar habe sich die Zeit, die Frauen wöchentlich mit unbezahlter Arbeit verbringen, im Zehnjahresvergleich sogar um knapp 20 Minuten erhöht, allerdings stieg gleichzeitig der Zeitaufwand bei den Männern mit gut einer Stunde und 20 Minuten noch stärker.

Mütter sind weniger erwerbstätig
Kinderbetreuung und Haushaltsführung in Deutschland werden nach wie vor verstärkt von Frauen übernommen. Mütter mit Kindern unter 18 Jahren verbringen laut Statistik durchschnittlich gut 17,5 Stunden pro Woche mit bezahlter Arbeit, wobei der Umfang der bezahlten Arbeit vom Alter des jüngsten Kindes abhängt. Bei Männern mit minderjährigen Kindern im eigenen Haushalt liegt der Umfang der Erwerbsarbeit dagegen unabhängig vom Alter des jüngsten Kindes bei durchschnittlich rund 32 Stunden pro Woche. 

Eltern arbeiten deutlich mehr
Auch zeigt sich, dass Väter und Mütter mit insgesamt 57 Stunden pro Woche, elf Stunden mehr arbeiten als Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren, die in einem Haushalt ohne Kinder leben. Zudem würde eine von vier erwerbstätigen Müttern (24,1 %) gerne mehr Zeit für Beruf und Karriere haben und einer von vier erwerbstätigen Vätern (25,5 %) gerne weniger Zeit damit verbringen.

Frauen arbeiten mehr als Männer
Wenn bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammen betrachtet werden, arbeiteten Frauen im Jahr 2022 mit durchschnittlich fast 45,5 Stunden pro Woche mehr als Männer, die im Schnitt knapp 44 Stunden arbeiteten. Auch zehn Jahre zuvor haben Frauen mehr gearbeitet als Männer. Allerdings vergrößerte sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Im Jahr 2022 arbeiteten Frauen rund 1,5 Stunden mehr als Männer, 2012/2013 hatte der Unterschied nur etwa eine Stunde betragen.

Was Equal Care und Equal Pay verbindet
Welche Auswirkungen das Mehr an unbezahlter Care-Arbeit hat, wird u.a. durch das Motto des Equal Pay Days deutlich, der in diesem Jahr am 6. März stattfinden wird. Im Zentrum des weltweiten Aktionstags für eine Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern steht in diesem Jahr der Zusammenhang von Zeit und Geld. Dass Frauen fast dreimal so häufig in Teilzeit arbeiten wie Männer, u.a. weil sie mehr Care-Arbeit übernehmen, hat Auswirkungen auf ihr Einkommen und auch ihre Alterssicherung. Die Diskrepanz bei der Arbeitszeit ist mitverantwortlich für den Gender Pay Gap, der in diesem Jahr, wie bereits in den vergangenen zwei Jahren, bei 18 Prozent liegt. Das sind umgerechnet 66 Kalendertage, die Frauen im Vergleich zu Männern unbezahlt arbeiten.

Weshalb sie am 29. Februar und 6. März stattfinden
Der Equal Care Day findet eigentlich nur alle vier Jahre am 29. Februar statt. Damit soll symbolisch darauf hingewiesen werden, dass Hausarbeit als „unsichtbare Arbeit“ gilt.
Der Equal Pay Day findet in diesem Jahr am 6. März statt. Dieses Datum markiert den Tag, bis zu dem Frauen ohne Lohn arbeiten. Rechnet man den Wert von 18 Prozent weniger Verdienst in Tagen um, arbeiten Frauen vom 1. Januar an 66 Tage umsonst. Deshalb fällt der Equal Pay Day in diesem Jahr auf den 6. März 2024.

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Vera Rosigkeit

hat Politikwissenschaft und Philosophie in Berlin studiert und ist Redakteurin beim vorwärts.

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