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Europawahl: Warum ein SPD-Kandidat Döner für drei Euro anbietet

Für Frederic Augustin ist der Döner mehr als ein beliebtes Fast-Food-Gericht. Der Sozialdemokrat will am Sonntag mit Döner für drei Euro Werbung für die Europawahl machen und hat dabei eine Zielgruppe besonders im Blick.

von Jonas Jordan · 13. April 2024
Frederic Augustin kandidiert für die SPD bei der Europawahl.

Frederic Augustin kandidiert für die SPD bei der Europawahl.

„Der Döner ist etwas hoch Politisches“, sagt Frederic Augustin im Gespräch mit dem „vorwärts“. Der 26-jährige Sozialdemokrat aus Berlin kandidiert bei der Europawahl im Juni und will seinen Wahlkampf nach eigenen Angaben voll auf die Generation Z zuschneiden, die im Kern die meisten Erstwähler*innen umfasst. Unter diesen kursiert derzeit ein Social-Media-Trend, der prominente Politiker*innen dazu auffordert, den Preis für einen Döner auf drei Euro zu begrenzen.

Frederic Augustin

Der Döner ist etwas hoch Politisches.

Augustin will das aufgreifen, zumindest für einen begrenzten Zeitraum. Denn am Sonntag, 14. August, ab 13 Uhr organisiert er im Berliner Stadtteil Wedding die nach seinen Angaben deutschlandweit erste „Döner-für-3-Euro-Aktion“. In Kooperation mit dem Imbiss Gel Doy am U-Bahnhof Seestraße werden um diese Zeit 100 Döner zum Preis von 3 statt sonst 7 Euro verkauft. Einen Euro pro Döner finanziert der Imbissbetreiber, den Rest Augustin aus seinem angesparten Wahlkampfbudget.

Die Aktion hat bereits für ein gewisses Medienecho gesorgt. Der Fernsehsender RTL und die französische Nachrichtenagentur afp hätten sich bereits angekündigt, berichtet Augustin, der sich davon einen gewissen Schwung für seinen Wahlkampf erhofft. Und das mit einem vordergründig komischen, aber doch recht ernsten Thema: „Beim Dönerpreis geht es nicht um irgendeinen Online-Witz, sondern es geht eigentlich um etwas, was wir alle spüren – die Inflation.“ 

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Der Sozialdemokrat will Aufmerksamkeit für die Europawahl am 9. Juni schaffen, um so die Wahlbeteiligung bei seiner Kernzielgruppe zu steigern. Eine europaweite Dönerpreisbremse schwebt ihm nicht vor. Stattdessen soll der Fast-Food-Klassiker als Türöffner dienen, um zu zeigen, dass Politik ganz nah bei den Menschen sei. „Das ist ein relevantes Thema für viele Jugendliche. Dadurch erreicht man viele Leute und begeistert sie für die Europawahl“, glaubt Augustin.

Motiviert trotz Listenplatz 36

Er selbst wird davon mutmaßlich jedoch nicht direkt profitieren. Denn auf der Bundesliste der SPD steht er nur auf Platz 36. „Ich glaube nicht, dass das was wird. Dafür müsste schon Willy Brandt wiederauferstehen, dass das passiert“, schätzt er seine Chancen auf den Einzug ins Europaparlament realistisch ein. Doch das halte ihn nicht davon ab, einen engagierten Wahlkampf zu führen, um den Leuten Politik näherzubringen. „Wir als SPD, aber auch die Politik insgesamt tun gut daran, Politik nahbar zu machen und konkrete Lösungen für Probleme vorzuschlagen, weil die Leute in den vergangenen zehn Jahren immer mehr das Gefühl bekommen haben, die Politik habe sich von ihnen entfernt.“

Augustin glaubt an die Politik und insbesondere an die Europäische Union als Hebel, um gemeinsam Probleme zu lösen. „Der Klimawandel macht nicht an der französischen oder schwedischen Grenze Halt, sondern er ist einfach da. Wenn wir bei der Bekämpfung alleine agieren, werden wir nie erfolgreich sein. Wir müssen kooperieren in Europa“, sagt er. Gleiches gelte für gemeinsame Regeln für den Arbeitsmarkt, die Digitalisierung oder den Ausbau klimafreundlicher Mobilität.

Autor*in
Jonas Jordan
Jonas Jordan

ist Redakteur des „vorwärts“. Er hat Politikwissenschaft studiert und twittert gelegentlich unter @JonasJjo

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1 Kommentar

Gespeichert von Rudolf Isfort (nicht überprüft) am Di., 16.04.2024 - 13:43

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ist etwas hoch Politisches“, vor allem ist er Stellvertreter für Manches. Er ist Beispiel für die uns beutelnde Inflation und, wenn man will, für ihre EU-sanktionsbedingten Gründe. An ihm lässt sich zeigen, dass „Politik nahbar zu machen (ist) und konkrete Lösungen für Probleme“ aufzeigen kann. Mit etwas Phantasie kann er auch zum Thema „Klimawandel“ hinführen oder „gemeinsame Regeln für den Arbeitsmarkt“ sinnvoll erscheinen lassen. „Digitalisierung“ ist vielleicht etwas sperrig für eine Anbindung an den Döner. Er ist aber eine pfiffige Idee für ein politisches pars pro toto, auch wenn „Döner“ vielleicht zu sehr nach „Banalisierung des Rechten“ klingt.

Döner bezeugt Multikulti, hängt also auch mit Migration zusammen, die inzwischen zu einem Problem für viele unserer Städte und Kreise geworden ist. Mit „Döner“ hingegen das wichtigste akute Problem zu verbinden, dem sich die EU, die Bundesrepublik und die SPD gegenübersieht, dem Sterben von Kindern, Frauen und Männern in der Ukraine und in Gaza, wäre vielleicht nicht zu empfehlen, weil das Zerplatzen, Verbrennen, Ersticken, Verbluten, Verhungern oder Verdursten von Kindern, Frauen, Alten und wehrpflichtigen Männern nicht gut zur Fleischspeise passen will. Kommt das dringendste, wichtigste akute Problem deshalb bei Frederic Augustin nicht vor?
Mit den SPD-Wohlfühlthemen Arbeit und Soziales sowie Digitales den EU-Wahlkampf bestreiten zu wollen, fürchte ich, wird nicht klappen, obwohl gerade damit gegenüber der AfD gepunktet werden könnte. Ohne für Migration eine Lösung anzubieten, wird der Kampf gegen Rechts nicht stattfinden können. Ohne das zentrale Thema, das Scholz mit „Zeitenwende“ umschrieben, die Pistorius nicht ganz unberechtigt auf „Kriegstüchtigkeit“ heruntergebrochen hat, die neuerdings v. Lucke, dem Mann, der schneller spricht als sein Schatten, dramatisch unzulässig „geistig moralische Wende“ (7.4.24 (im Fernsehen)) nennt, ist der Kampf gegen Rechts und Links schon verloren.

Ich sähe Frederic Augustin gern erfolgreich, fürchte aber,
der SPD ist nicht mehr zu helfen.