Parteileben

"Eine Bereicherung für unser Land"

von Die Redaktion · 2. Januar 2011
placeholder

Werner Michael Blumenthal stammt aus einer traditionsreichen deutschen Kaufmannsfamilie. Zu seinen Vorfahren zählen der Hofjuwelier Jost Liebmann, die Schriftstellerin Rahel Varnhagen von Ense, der Komponist Giacomo Meyerbeer und der Literaturwissenschaftler Arthur Eloesser. Blumenthals Vater, der Textilkaufmann Ewald Blumenthal, wurde im Ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Im Laufe der Novemberpogrome 1938 wurde er für mehrere Monate in das Konzentrationslager Buchenwald interniert.

Vertreibung aus Deutschland, Ausbildung in den USA

1939 flüchtete die Familie mit dem 1926 in Oranienburg bei Berlin geborenen Werner Michael zunächst nach Shanghai und 1947 in die USA. Der junge Blumenthal lernte Chinesisch, Englisch, Französisch und Spanisch. Im Jahr 1952 wurde er US-amerikanischer Staatsbürger. Er graduierte 1951 mit dem Bachelor of Science in Internationaler Wirtschaft von der University of California, Berkeley. Seinen Master of Arts in Wirtschaftswissenschaften und den Master of Public Affairs erlangte er 1953 an der Princeton University. Im Jahr 1956 promovierte er zum Ph.D. in Ökonomie.

Von 1953 bis 1956 war er als Professor für Volkswirtschaftslehre tätig. Im Anschluss wurde er Vizepräsident und schließlich Direktor der Crown Cork International Corporation. Von 1961 bis 1967 war er Mitarbeiter des US-Außenministeriums und zugleich wirtschaftspolitischer Berater der US-Präsidenten Kennedy und Johnson. 1967 wechselte er in den Vorstand des Technologieunternehmens Bendix Corporation, dessen Vorstandsvorsitzender er war. Im Jahre 1973 gehörte Blumenthal zu den Gründungsmitgliedern der Trilateralen Kommission.

Vom US-Finanzminister zum Direktor des Jüdischen Museums

Von 1977 bis 1979 amtierte er als Finanzminister im Kabinett von US-Präsident Jimmy Carter. Im Jahr 1980 wurde er Vizepräsident und 1981 Vorstandsvorsitzender der Burroughs Corporation. Er fusionierte 1986 die Computerfirma mit Sperry zu Unisys, dessen Vorsitzender er ebenfalls wurde. Danach war von 1990 bis 1996 Partner der Investmentbank Lazard Frères & Co. LLC und begann mit der Niederschrift seiner Biographie. 1997 wurde er als Gründungsdirektor des Jüdischen Museums in Berlin berufen. Trotz großer Schwierigkeiten gelang es ihm, das Museum zum größten jüdischen Museum Europas auszubauen.

Im Jahr 1998 veröffentlichte er die Familienchronik "Die unsichtbare Mauer. Die dreihundertjährige Geschichte einer deutsch-jüdischen Familie." Blumenthal ist Mitglied im Advisory Board der Investment Bank Evercore Partners, des American Jewish Committee in Berlin und des International Rescue Committee. Er ist Kuratoriumsmitglied der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Mitglied im Council on Foreign Relations, sowie dem Princeton und Century Club.

Sigmar Gabriel würdigt Werner Michael Blumenthal

Für seine Verdienste wurden ihm sieben Ehrendoktorwürden in den USA verliehen. (wikipedia.de). Sigmar Gabriel würdigte Blumenthals "so bewegenden und bewegten Lebensweg" mit den Worten: "Sie haben die Schrecken nationalsozialistischer Verbrechen miterleben müssen. Für uns Deutsche - auch Vertreter meiner Generation - ist das Grund zu tiefer Scham und bleibender Verantwortung. Aber Sie, lieber Herr Blumenthal, haben sich trotz dieser Schrecken Ihre "unerwiderte Liebe" zu Deutschland erhalten. Obgleich Weltenbürger mit amerikanischem Pass...: Nie haben Sie die Verwurzelung Ihrer eindrücklichen, traditionsreichen Familie in Berlin und Deutschland preisgegeben."

Es sei einer "der Glücksfälle der deutschen Geschichte", dass unser Land Blumenthal und vielen anderen Juden heute "wieder geistige und kulturelle Heimat sein kann."

0 Kommentare
Noch keine Kommentare