Hitze tötet – doch Deutschland handelt immer noch zu langsam
IMAGO/Ulrich Wagner
Im Juni ächzte Deutschland unter einer Hitzewelle, die neue Rekordwerte hervorbrachte.
Sagen wir es gleich vorweg: Mit dem Hitzeschutz ist es kompliziert in Deutschland. Denn drei Akteure wirken hier zusammen, der Bund, die Länder und die Kommunen. Da Gesundheit laut Grundgesetz Länderaufgabe ist, kann der Bund keine bundesweiten Standards zum Hitzeschutz festlegen. Er kann Länder und Kommunen unterstützen, indem er konkrete Projekte fördert.
Über 5.000 Hitzetote: Warum Deutschland jetzt handeln muss
Egal wer in welchem Bereich zuständig ist, klar sollte spätestens seit diesem Sommer sein: Es muss mehr passieren beim Hitzeschutz in Deutschland. Die Politik ist gefordert, auf allen Ebenen. Denn allein die erste Hitzewelle im Juni 2026 hat bundesweit über 5.000 Menschenleben gefordert.
Gesundheitlich besonders betroffen von Hitze sind: Ältere über 75 Jahren, Menschen mit chronischen Erkrankungen und Pflegebedürftige. Starken Belastungen sind darüber hinaus Schwangere, Babys und Kleinkinder ausgesetzt.
Wer unter der Hitze besonders leidet
Deshalb muss ein verbesserter Hitzeschutz vor allem bei den Hauptbetroffenen ansetzen. Das bedeutet: Es muss flächendeckend verbindliche Mindeststandards für einen effektiven Schutz vor Hitze in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen geben, aber auch in Kitas und Schulen.
Das medizinische und pflegerische Personal muss zum Umgang mit hitzebedingten Erkrankungen speziell geschult werden. Krankenhäuser und Pflegeheime müssen nicht nur mit Trinkwasser versorgt sein, es muss dafür Sorge getragen werden, dass die Patient*innen auch tatsächlich ausreichend trinken.
Warum Beschäftigte besseren Hitzeschutz brauchen
Besonderen Schutz brauchen die Arbeitnehmer*innen, die den hohen Temperaturen lange ausgesetzt sind. Das gilt etwa für das Baugewerbe oder die Landwirtschaft. Hier ist es wichtig, für genügend Erholungspausen zu sorgen, für Trinkwasser und Schatten. Der Vorschlag von DGB-Chefin Yasmin Fahimi, bei unvermeidlichen Arbeitsausfällen wegen der hohen Temperaturen ein Hitze-Ausfallgeld zu zahlen, geht in die richtige Richtung.
Zugleich sind Maßnahmen nötig, die die Temperaturen für alle erträglicher machen. Dazu gehört eine systematische Anpassung der Städte an die Hitze. Sie brauchen mehr Grün: nicht nur Parks und Bäume, auch begrünte Innenhöfe, Fassaden und Dächer. So können die Gebäude hitzeresilienter werden. Auch durch einen besseren Sonnenschutz von außen und – wo nötig – Klimaanlagen.
Warum der Bund beim Hitzeschutz mehr Verantwortung übernehmen muss
Doch bis das alles umgesetzt werden kann, braucht es auch wirksame Sofortmaßnahmen. Dazu gehören etwa gekühlte Räume in öffentlichen Gebäuden, als Rückzugsorte für alle bei unerträglichen Temperaturen. Denn bislang hängt es oft vom Geldbeutel ab, wer sich wie vor extremer Hitze schützen kann – und wer nicht.
Das Thema Hitzeschutz ist in jedem Fall zu wichtig, um es allein Ländern und Kommunen oder dem freien Spiel der Kräfte des Marktes zu überlassen. SPD und Union haben im Koalitionsvertrag vereinbart, zu prüfen, ob es als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern ins Grundgesetz aufgenommen wird. Das sollte es. Denn weiter Zeit zu verlieren – etwa mit Kompetenzstreitigkeiten – kann sich Deutschland nicht mehr leisten.