Kultur

Von der Einsamkeit des Widerständigen

von Die Redaktion · 10. Februar 2006

Die Briefe Furtmeiers, die er von 1938 bis 1947 an die befreundete Familie Rossmann geschrieben hatte, geben Gelegenheit dazu. Hier ist nachzulesen, wie er nach der Hinrichtung der Geschwister Scholl und der Emigration der Rossmanns in die Schweiz zunehmend in die Isolation geriet. Mangels Beweisen für die aktive Teilhabe am Widerstand hatte die GESTAPO ihn nach kurzzeitiger Inhaftierung wieder entlassen.

Josef Furtmeier wusste um staatliche Überwachung von Auslandspost. Trotzdem ließ der ehemalige kleine Staatsbeamte aus Bayern jedoch nicht davon ab, die bestehenden Verhältnisse scharfsinnig zu sezieren und den Ursachen für die Machtübernahme des Faschismus in Deutschland nachzugehen. Hans Scholl nannte den Freund wegen seines Wissens und seiner Analysekraft gern "den Philosophen".



Dieser zeichnete auf, wie sich in Folge der Machtübernahme der Nazis Angst, Stumpfsinn und Engherzigkeit im Lande ausbreiteten. In Geschichte, Philosophie und Religion suchte er nach dem, was Gegenpositionen hätte stärken können. Furtmeier prangerte Nihilismus und kalten Materialismus an, die auch auf das Konto der Kirche gegangen seien. Er beschwor das Glück des mittelalterlichen Menschen. Der habe über ein festes Wertsystem verfügt, das verloren gegangen sei, da Deutschland immer nur habe werden wollen und seinen Platz in der Gegenwart nicht fand.

Mit Furtmeiers Briefen an "Ali" (Rudolf) und Gerda Rossmann gerät der Leser mitten hinein in die Geschichte des Nationalsozialismus, seines Alltags und des Versuchs der geistigen Selbsterhaltung in Auseinandersetzung damit. Es berührt sehr, wie sich Furtmeiers Isolation auch in der Zeit nach Ende des Weltkriegs trotz oder gerade wegen der Rolle als öffentlicher Ankläger beim Entnazifizierungsgericht in München fortsetzt. Verbitterung und Einsamkeit blieben.

Sönke Zankel und Christine Hikel haben die Briefsammlung mit wichtigen Kommentaren zur Biographie und zum Umfeld des "Philosophen" versehen. Diese lesen sich ebenso interessant lesen wie die Briefe selbst.

Dorle Gelbhaar

Ein Weggefährte der Geschwister Scholl. Die Briefe des Josef Furtmeier 1938 - 1947, dtv Premium, deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 2005, 156 Seiten, 14,00 Euro, ISBN 3-423-24520-4

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