Tausende Menschen sterben jedes Jahr beim Versuch, dem Elend oder der Verfolgung in ihren Heimatländern durch eine Flucht nach Europa zu entkommen. Mindestens 1.300 Menschen starben allein an
der Küste der Kanaren während des letzten Winters. Die europäische Öffentlichkeit schaut weg. Das Thema gerät nur dann und wann in die Schlagzeilen, wenn ein besonders schweres Unglück zu beklagen
ist.
Umso mehr ist zu begrüßen, dass Milborns Buch in die Tiefe geht, sie sich nicht abweisen lässt, weder von Entscheidungsträgern, noch von der örtlichen Polizei. In Ceuta, im größten
Flüchtlingslager Italiens - auf der Insel Lampedusa, aber auch in Paris und London gelingt es ihr mit Betroffenen zu sprechen; Menschen, die zum Teil seit Jahren unter menschenunwürdigen
Verhältnissen in der Illegalität leben.
EU-Partner Libyen und Weissrussland
2,5 Millionen Menschen warten allein in Nordafrika darauf, nach Europa zu gelangen. Sie riskieren ihr Leben für ein kleines bisschen Hoffnung. Doch auch die Ostgrenze der EU ist kaum noch
überwindbar. Ziel der Union ist, die Flüchtlinge schon in den Anrainerstaaten abzufangen. Länder, die für Folter und Menschenrechtsverletzungen bekannt sind und die in offiziellen Reden gerne
gebrandmarkt werden, wie etwa Weißrussland oder Libyen erhalten von der EU Finanzmittel - für eine präventive Bekämpfung der Flüchtlinge.
Der Kampf gegen die Einwanderer wird von der EU nicht erst seit 2001 mit der Bekämpfung des Terrorismus begründet. Milborn gelingt es, diese und andere Absurditäten der europäischen
Flüchtlingspolitik zu entlarven: "Viele dieser Maßnahmen werden mit dem Kampf gegen den Terror gerechtfertigt. Doch Terroristen reisen im Allgemeinen nicht zu Zehntausenden in nicht
hochseetauglichen Holzbooten ein oder klettern nachts über Grenzzäune."
Corinna Milborn: Gestürmte Festung Europa. Styria, Graz 2006. ISBN 3222132054, 248 Seiten, EUR 19,90
Chefredakteur der DEMO, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Bezirksverordnetenversammlung Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf