Experten aus Wissenschaft und Politik beschreiben in dem Buch das Phänomen der "Neuen Armut", die den Verlust materieller, aber auch sozialer und kultureller Teilhabe beinhaltet. Die Autoren
begegnen dieser mit dem Konzept einer "präventiven Sozialpolitik".
Bei der Buchvorstellung im Willy-Brandt-Haus bezeichnete Huberts Heil Armut in Deutschland als einen Skandal. Es könne nicht sein, dass mehr als in anderen europäischen Ländern die soziale
Herkunft über Bildungschancen entscheide, dass viele Menschen ohne Arbeit seien und es Kinder gäbe, "die ohne Frühstück in die Schule gehen." Es sei sinnlos, nur über Taten zu reden, es müssen auch
Taten folgen, betonte Heil.
Beitrag zur Grundsatzdebatte
Das Buch könne als Beitrag zur SPD-Grundsatzdebatte verstanden werden. Es geht nicht um eine neue Gerechtigkeit, sondern um eine neue Gerechtigkeitspolitik, sagte der SPD-Generalsekretär und
benannte fünf Ziele: Die Verhinderung von Armut, die Förderung von Bildung, die Inklusion in den Arbeitsmarkt, die Absicherung von Lebensrisiken und die Verringerung von Einkommens- und
Vermögensunterschieden.
DGB-Chef Michael Sommer lobte den Sammelband als anspruchsvollen und wichtigen "Aufschlag" für die Programmdiskussion der SPD. "Soziale Exklusion zu verhindern und soziale Inklusion zum
Leitbild sozialdemokratischer Gerechtigkeitspolitik zu machen, sei ein fruchtbarer Ansatz," hob Sommer hervor.
"Das Buch umfasst unterschiedliche strategische Herangehensweisen an die Frage, in welchem Verhältnis wirtschaftliches Wachstum, staatliche Regulierung und die soziale Verpflichtung der
Wirtschaft zukünftig stehen sollen. Ein spannender und notwendiger Diskussionspunkt für eine neue Gerechtigkeitspolitik.
Heil, Hubertus / Seifert, Juliane (Hg.),
Soziales Deutschland. Für eine neue Gerechtigkeitspolitik,
VS Verlag für Sozialwissenschaften 2005, 141 Seiten, EUR 21,90
Vera Rosigkeit/Karsten Wiedemann
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