Inland

Was Karl Lauterbach mit dem Krankenhaus-Atlas erreichen will

Wie gut werden Patient*innen in Krankenhäusern versorgt? Ein Qualitätsatlas soll künftig darüber informieren. Das Gesetz wurde heute von Gesundheitsminister Karl Lauterbach vorgestellt. Nicht jede Klinik wird davon profitieren.
von Vera Rosigkeit · 13. September 2023
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will mehr Transparenz für Patientinnen und Patienten
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will mehr Transparenz für Patientinnen und Patienten

Mit einem interaktiven Krankenhaus-Atlas will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach Patient*innen einen Überblick darüber verschaffen, welches Krankenhaus in ihrer Nähe welche Leistungen mit welcher Qualität anbietet. „Patienten haben ein Recht darauf zu wissen, was Kliniken leisten“, sagt der SPD-Politiker am Mittwoch in Berlin. Der Atlas mache die Qualität der Krankenhäuser transparenter und stärke so die individuelle Entscheidung der Patient*innen. Zuvor hatte das Kabinett den Entwurf eines „Gesetzes zur Förderung der Qualität der stationären Versorgung durch Transparenz“ (Krankenhaustranzparenzgesetz) beschlossen.

Spezialisierung rettet Menschenleben

Mit dem Gesetz lasse sich darstellen, welche Krankenhäuser über die dort aufgeführten insgesamt 65 Leistungsgruppen verfügen. Diese reichen beispielsweise von allgemein innerer Medizin über Herzchirurgie für Kinder und Jugendliche bis hin zur Notfallmedizin. „Überall in Deutschland leisten Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte eine phantastische Arbeit“, betont Lauterbach. Trotzdem könne nicht jede*r alles. „Spezialisierung rettet Menschenleben.“

Bei einem möglichen Eingriff lasse sich anhand des Qualitätsatlas beispielsweise ablesen, ob ein Krankenhaus die hierfür notwendige technische und personelle Voraussetzung habe, erklärt Lauterbach. Facharzt- und Pflegedichte lasse sich ebenso einsehen wie die Anzahl an Fallzahlen von Leistungen und Komplikationsraten für ausgewählte Eingriffe. Für den Gesundheitsminister „hochrelevante Daten“. Der Atlas soll die von ihm geplante Krankenhausreform vorbereiten, mit der Lauterbach drei Ziele verfolgt: „bessere Qualität, Entökonomisierung und Entbürokratisierung.“ Sie sei zugleich eine der größten Strukturreformen im Gesundheitswesen der vergangenen Jahrzehnte, betont er.

Gute Qualität als Maßstab

Die Befürchtung, dass damit Krankenhäuser, die bei der Qualität nicht mithalten könnten, Defizite einfahren und sich nicht mehr füllen würden, teilt Lauterbach nicht. „Wir bleiben da klar: Wir wollen, dass Krankenhäuser überleben, die gute Qualität bringen“, sagt er. Diese Krankenhäuser sollen über die in der Krankenhausreform vorgesehenen Vorhaltepauschalen eine Existenzgarantie erhalten. Was Lauterbach nicht will: „dass Krankenhäuser über die Runden kommen, weil sie Eingriffe machen, für die sie schon lange nicht mehr das Personal haben und für die sie möglicherweise nie ausreichend spezialisiert gewesen sind.“  

Dass Daten zur Qualität der Krankenhäuser nicht leicht zugänglich sind, betont auch Dagmar Schmidt. „Dies wollen wir ändern“, sagt die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. „Patientinnen und Patienten haben ein Recht darauf, sich im Vorfeld ihrer Behandlung darüber informieren zu können, wo sie bestmöglich medizinisch versorgt werden.“

Die Veröffentlichung des Transparenzverzeichnisses soll übersichtlich, allgemeinverständlich und interaktiv verlaufen. Perspektivisch sollen weitere Daten aufgenommen werden. Das Gesetz verpflichtet Krankenhäuser, dem Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) notwendige Angaben zu übermitteln. Das Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (QITIG) bereitet die Daten anschließend für das Verzeichnis auf, das zum 1. April 2024 durch das Bundesgesundheitsministerium veröffentlicht werden soll.

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Vera Rosigkeit

hat Politikwissenschaft und Philosophie in Berlin studiert und ist Redakteurin beim vorwärts.

1 Kommentar

Gespeichert von Markus Jantzen (nicht überprüft) am Mi., 07.02.2024 - 15:03

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Der Klinikatlas ist lange überfällig. Ich bin im Rahmen einer "Nicht-Behandlung" meiner Schlafapnoe in den letzten 5 Jahren 3-mal wissentliche Falschaussagen zum finanziellen Vorteil von Ärzten und der Arbeitgebern (Krankenhäuser). Es wird endlich Zeit, daß Die Halbgötter in weiss entmachtet werden durch Tranzparenz im Gesundheitswesen, damit nur noch die rechtschaffenden Ärzte, die es, Gott sei Dank, auch noch gibt eine Existenzberechtigung haben. Korrupte Ärzte können zur Zeit das komplette Leben eines Patienten ruinieren.
Mit vielen Grüßen
M. J.