Die Unesco hatte gedroht, dem Dresdner Elbtal den Status des Weltkulturerbes zu entziehen, sollte die Autobrücke wie geplant gebaut werden. Das Weltkulturerbe-Komitee hatte das Dresdner
Elbtal vergangene Woche auf die rote Liste der gefährdeten Kulturerbestätten gesetzt. Es drohte der Verlust des Titel "Weltkulturerbe" - bis dato wurde dieser Titel noch nie entzogen.
Die CDU in Dresden setzte dennoch auf die Konfrontation mit der Unesco und forderte am Donnerstagabend in einem Antrag an dem Stadtrat den sofortigen Baubeginn. Die Stadträte stimmten aber
mit 38 zu 30 Stimmen gegen den CDU-Antrag. Auch ein Antrag der FDP, der das Unesco-Komitee zu einer Revision seiner Entscheidung aufforderte, fand keine Mehrheit.
Die deutsche Welterbe-Delegierte Birgitta Ringbeck hatte in der Stadtratsitzung eindringlich gemahnt, das Votum der Unesco ernst zu nehmen. "Eine Brücke gleich welcher Form an dieser Stelle
wird vom Komitee abgelehnt, so Ringbeck. Für eine oberirdische Querung des Elbtals gebe es keinen "Verhandlungsspielraum".
SPD in Dresden fordert Alternativen
Die CDU hatte argumentiert, die Stadt sei an einen Bürgerentscheid aus dem Jahr 2005 gebunden. Damals hatten sich zwei Drittel der Dresdner für den Brückenbau ausgesprochen. Zu diesem
Zeitpunkt war allerdings noch nicht klar, ob das Unesco-Komitee die Brücke für vereinbar mit dem Weltkulturerbestatus erklären würde.
Die SPD-Fraktion im Dresdner Stadtrat hatte in der letzten Woche dazu aufgerufen, über Alternativen nachzudenken. Die Wege von einer Elbseite zur anderen seien sehr wohl so zu gestalten,
"dass dem hohen Anspruch der Weltkulturgemeinschaft genügt wird", sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Peter Lames.
Nun soll der Dresdner Oberbürgermeister Ingolf Roßberg (FDP) mit dem Weltkulturerbe-Komitee über Alternativen beraten. Ob er die Gespräche zu Ende führen wird, ist allerdings fraglich. Wegen
einer Untreueaffäre steht Roßberg derzeit vor Gericht.
Karsten Wiedemann
Quelle: Der Tagessiegel, Berliner Morgenpost (21.07.06), www.spd-fraktion-dresden.de
Redakteur bei vorwaerts.de bis September 2009, jetzt Redakteur bei Neue Energie, dem Magazin des Bundesverbands für Windenergie