Inland

Als erste Frau: SPD-Abgeordnete Yasmin Fahimi soll DGB-Chefin werden

Sie sei überwältigt, erklärt Yasmin Fahimi zum einstimmigen Beschluss des DGB Bundesvorstandes, sie als Nachfolgerin des aktuellen Vorsitzenden Reiner Hoffmann zu nominieren. Damit wäre sie die erste Frau an der Spitze des DGB.
von Vera Rosigkeit · 26. Januar 2022
Trat mit 17 Jahren der SPD bei: die Bundestagsabgeordnete Yasmin Fahimi
Trat mit 17 Jahren der SPD bei: die Bundestagsabgeordnete Yasmin Fahimi

„Ich bin überwältigt von der einstimmigen Nominierung des DGB Bundesvorstandes für den künftigen DGB-Vorsitz.“ So reagiert die 53-jährige SPD-Bundestagsabgeordnete Yasmin Fahimi am Mittwoch auf die Entscheidung, die Nachfolge des aktuellen DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann anzutreten. Sie sei, erklärt sie weiter, der Gewerkschaftsbewegung „seit jeher tief verbunden“ und habe als Bundespolitikerin immer „im engen Austausch mit den Gewerkschaften daran gearbeitet, die Rechte der Arbeitnehmer*innen zu festigen und weiter zu entwickeln“. 

Zuvor hatte der DGB Bundesvorstand zum Beschluss über seine neue Spitze mitgeteilt: „Mit Yasmin Fahimi gewinnen wir eine ausgesprochene Arbeitsmarkt- und Ausbildungsexpertin, die über langjährige Erfahrungen in den Gewerkschaften verfügt.“ Von 2000 bis 2013 war Fahimi Gewerkschaftssekretärin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Zunächst in der Jugendarbeit, dann vor Ort in Recklinghausen zuletzt als Leiterin der Grundsatzabteilung, hieß es weiter in der Pressemitteilung.

Erfolgreiche SPD-Politikerin

Doch Fahimi ist auch eine erfolgreiche SPD-Politikerin, die bereits mit 17 Jahren der Partei beigetreten ist. Die Friedensbewegung habe sie geprägt und bei den Jusos habe sie das Thema internationale Solidarität kennengelernt, erklärte sie in einem Interview mit dem „vorwärts“ anlässlich ihrer Wahl zur Generalsekretärin im Jahr 2014. Zwei Jahre hatte sie dieses Amt inne und war anschließend von 2016 bis 2017 beamtete Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Im Oktober 2017 zog sie als direkt gewähltes Mitglied des Wahlkreises Hannover-Süd in den deutschen Bundestag ein. Sie war Berichterstatterin der 2018 eingesetzten Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“. Zudem war sie Vorsitzende der deutsch-brasilianischen Parlamentariergruppe und kämpfte erfolgreich für die Freilassung des früheren brasilianischen Präsidenten Lula.

Für ihren Wahlkampf 2021 stellte die gebürtige Hannoveranerin das berühmte Mandolinen-Foto von Willy Brandt nach und warb damit in Anzeigen und auf Plakaten. „Für mich ist das eine Hommage, eine Verbeugung vor Willy“, erklärte sie dem „vorwärts“. Gleichzeitig sei es auch „eine Verpflichtung für mich selbst, unsere traditionellen Werte zu verteidigen und immer wieder Antworten für die Zukunft zu finden“. Auf dem ordentlichen SPD-Parteitag im Dezember 2021 wurde sie in den Parteivorstand gewählt.

„Meine heutige Nominierung empfinde ich als große Ehre, aber auch als Verantwortung, den vor uns liegenden Herausforderungen gemeinsam gerecht zu werden“, betont die SPD-Abgeordnete. Ihrer Meinung nach werden die 20er Jahre dieses Jahrhunderts im Zeichen der Transformation stehen und damit auch für lange Zeit die Beschäftigungsperspektiven und Arbeitsbedingungen von allen Erwerbstätigen bestimmen.

Erste Frau an der Spitze des DGB

Katja Mast, Erste Parlamentarische Geschäftsführerin (PGF) der SPD-Bundestagsfraktion gratulierte am Mittwoch via Twitter und schrieb: „Sie wird eine starke Stimme für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und soziale Politik mit Zukunftsblick. Ihre Biographie qualifiziert sie ebenso wie ihre Kompetenzen.“

Die Wahl von Yasmin Fahimi erfolgt auf dem 22. Ordentlichen Bundeskongress des DGB im Mai 2022 in Berlin. Mit ihr stünde zum ersten Mal eine Frau an der Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes. 

Ebenfalls auf ihrer Sitzung am Mittwoch hat der DGB Bundesvorstand Elke Hannack erneut in ihrer Position als stellvertretende Vorsitzende nominiert. Für eine weitere Amtszeit nominiert wurden zudem Anja Piel und Stefan Körzell als Mitglieder im geschäftsführenden Bundesvorstand.

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Vera Rosigkeit

hat Politikwissenschaft und Philosophie in Berlin studiert und ist Redakteurin beim vorwärts.

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