Landtagswahlen 2016

Wie Patrick Dahlemann der SPD das Direktmandat sicherte

Robert Kiesel12. September 2016
Patrick Dahlemann - SPD-Hoffnung in Mecklenburg-Vorpommern
Mit knapp zwei Prozent Vorsprung vor der AfD-Konkurrenz holte Patrick Dahlemann das Direktmandat für die SPD in Vorpommern.
Mit dem Gewinn des Direktmandats gelang Patrick Dahlemann ein Achtungserfolg im von der AfD dominierten Vorpommern. Ein Gespräch über Wahlkampf in Dörfern, Märtyrer und einen richtungweisenden Werbeslogan für die Region.

Herr Dahlemann, ein roter Punkt im AfD-blauen Vorpommern. Wie haben Sie das angestellt?

Nach der denkbar knappen Niederlage im Jahr 2011 habe ich mir gesagt: Der erste Tag nach der Wahl ist der erste Tag vor der Wahl 2016. Nach diesem Grundsatz habe ich vor Ort gehandelt. Außerdem habe ich mich immer auch den unbequemen Themen gestellt, keinen Wähler abgewimmelt, egal mit welchen Fragen er zu mir kam. Wir Politiker müssen ansprechbar sein. Die Leute wollen wissen, woran sie sind.

Präsenz zu zeigen fällt den demokratischen Parteien gerade in ländlichen Räumen schwer. Wie lässt sich das ändern?

Wie müssen den Strudel abwärts durchbrechen. Bei allem Engagement der ohnehin aktiven Leute muss das Ziel sein, neue Menschen für die SPD zu gewinnen. Die bereits aktiven Politiker müssen den Weg zu den Leuten suchen. Die Wochenenden gehören den Wählern, sie gehören den Dörfern, den Erntedankfesten oder dem Schützenverein. Dort müssen wir präsent sein.

In Mecklenburg hat die SPD 24 Direktmandate gewonnen, in Vorpommern zwei. Ist der Osten des Landes tatsächlich abgehängt?

Wir stehen dort vor einem riesigen Kraftakt, das ist richtig. Dennoch müssen die bestehenden Strukturen vor Ort dringend erhalten bleiben. Vorpommern braucht die SPD.

Das starke Ergebnis der AfD bedeutet einen erneuten Imageschaden für die Region, nicht wenige fürchten Einbußen für den Tourismus. Wie ist die Stimmung in Ihrem Wahlkreis?

Hier herrscht ein regelrechtes Aufatmen, gerade bei den Bürgermeistern. Für die Region ist das Wahlergebnis sogar eher ein Imagegewinn. Wir können künftig mit dem Slogan „Urlaub machen wo andere SPD wählen“ Werbung machen.

Von Vorpommern nach Schwerin: Wie lauten Ihre Hauptziele für die kommenden fünf Jahre im Landtag?

Arbeit, Arbeit, Arbeit. Ich will gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Menschen in meinem Wahlkreis und darüber hinaus schaffen. Die weitere Absenkung der Kita-Beiträge ist ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Gern würde ich in den Bereichen Kinder, Jugend und Familie Verantwortung in der Fraktion übernehmen.

Stichwort AfD: Wie ist mit der Fraktion umzugehen?

Das ist eine breit und gruselig-bunt aufgestellte Truppe, die viel mit sich selbst zu kämpfen haben wird. Die Märtyrerrolle, in der sie sich so wohlfühlt, dürfen wir ihr nicht geben.

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