Reparatur der Bundestags-IT

Wie die SPD-Fraktion ohne Computer arbeitet

Kai Doering19. August 2015
Computer im Bundestag
Computer im Bundestag: In den kommenden Tagen geht nichts.
Im Mai hatten Hacker sich in die IT des Bundestags eingeklinkt und Daten abgeschöpft. Nun soll das Computer-System neu aufgesetzt werden. Die Abgeordnetenbüros werden für einige Tage offline sein. Wie die SPD-Fraktion während dieser Zeit arbeitet, erklärt die für EDV zuständige Parlamentarische Geschäftsführerin Dagmar Ziegler.

Nach einem Hackerangriff aus dem Mai muss ab heute das interne Computernetz des Bundestags in Teilen neu aufgesetzt werden. Was bedeutet das für die Arbeit der Abgeordneten?

In Absprache mit der Verwaltung des Bundestages wird vom kommenden Donnerstagabend an die IT des Bundestages in Teilen erneuert. Dabei sollen einige zentrale Dienste neu aufgebaut und an die Sicherheitsstandards der Bundesregierung angepasst werden. Während dieser Zeit können die Computer der Abgeordneten und die Mitarbeiter in den Wahlkreisen nicht auf das interne Netz des Bundestages zugreifen. Das heißt, dass ab kommenden Freitag bis einschließlich Montag unsere Büros nur telefonisch und per Fax erreichbar sein werden. Die Verwaltung des Bundestages hat durch ihre Planung allerdings alles unternommen, um die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten.

Die ganze Prozedur soll vier Tage dauern. Schicken Sie in dieser Zeit Ihre E-Mails per Brieftaube?

Ich befürchte, das könnte Ärger mit den Tierschutzbund geben. Auch Rauchzeichen wurden uns wegen der zu erwartenden Schadstoffbelastung und Trommeln wegen des entstehenden Lärms von den zuständigen Behörden verboten. Nein, im Ernst – an diesen beiden Tagen muss der E-Mail-Verkehr einfach mal ruhen. Für dringende Angelegenheit gibt es ja immer noch das Telefon.

Die Verletzlichkeit der Bundestags-IT hat viele überrascht. Ist inzwischen bekannt, welche Informationen abgeflossen sind?

Die Überraschung kann ich nun wirklich nicht verstehen! Jeder, der sich mit der Sicherheit von IT-Systemen beschäftigt, weiß um deren Verwundbarkeit. Die Angreifer auf das Computernetz des Bundestages darf man sich nicht als den Jugendlichen von nebenan, der aus Langeweile in seiner Freizeit im Netz auf Streifzug geht, vorstellen. Hier waren hochprofessionelle und zielstrebige Angreifer am Werk. Über abgeflossene Informationen kann ich schon aus Schutz der betreffenden Abgeordneten und ihrer Büros keine Angaben machen.

Wird das neue System die Abgeordneten vor solchen Angriffen künftig schützen?

Mit Hilfe des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) konnte das Muster dieses Hackerangriffes sehr genau untersucht werden. Die neuen Systeme werden gegen ähnliche Angriffe abgesichert sein. Wir tun jetzt alles dafür, die Daten der Abgeordneten und die Computersysteme des Bundestages für die Zukunft bestmöglich zu schützen. Eine hundertprozentige Sicherheit kann und wird es allerdings nie geben.

Kommentare

IT-Sicherheit

Da die Bundestags-IT offensichtlich nicht ausreichend sicher war (ist?), stellt sich mir die Frage, wie es wohl bei den Telekommunikationsunternehmen aussieht, die zukünftig unsere Vorratsdaten speichern sollen. Die werden ja wohl kaum ein gesteigertes Interesse daran haben, für Sicherheit mehr Geld auszugeben, als unbedingt nötig.

Wieso die SPD nun also ernsthaft die Vorratsdatenspeicherung erneut einführen will, kurz nachdem man die Probleme am eigenen Leib erfahren hat, ist mir schleierhaft.

Frau Ziegler, wollen Sie sich hierzu vielleicht äußern?