Interview

Kapitän Schwandt: SPD muss wieder Partei der kleinen Leute sein

Robert Kiesel13. April 2016
Kapitän Schwandt
Jürgen Schwandt alias „Kapitän Schwandt“ gewann mit klaren Statements in Richtung AfD und Co viele Anhänger. Nun ist seine Facebook-Seite von den Administratoren eingestellt worden. Schuld daran ist unter anderem die zunehmende Aggressivität im Netz.
Seine Botschaften sind klar und erreichen zehntausende Menschen: Kapitän Jürgen Schwandt ist ein Facebook-Star. Im Interview spricht er über die Lage der SPD und enttäuscht eine leise Hoffnung vieler Fans.

Herr Schwandt, der Frachter SPD steuert durch schweres Fahrwasser. Besorgt Sie das?

Das tut weh, ganz klar. Ich bin Stammwähler der SPD, wähle sie jedes Mal, egal ob bei Kommunal-, Landtags- oder Bundestagswahlen. Die SPD vertritt die Interessen der Arbeitnehmer, ich war mein Leben lang Arbeitnehmer. Da kann ich keine andere Partei wählen.

In Umfragen steht die SPD nicht gut da. Warum?

Die SPD muss sich wieder auf ihre Kernkompetenzen zurückziehen, sich um die kleinen Leute kümmern. Klare Haltung statt Orientierung an Tagespolitik und Umfragewerten, das ist meine Forderung.

Aber wurden zuletzt nicht gerade für Arbeitnehmer wichtige Regelungen durchgesetzt, Stichwort Mindestlohn?

Ja, sicher, der Mindestlohn ist eine ganz tolle Sache. Aber es gibt noch viel mehr zu tun. Das Thema Leih- und Zeitarbeit, Werkverträge, Mini-Jobs. Da gibt es dringenden Handlungsbedarf. Die SPD sollte da ganz klare Prioritäten setzen, auch nach außen.

Jürgen Schwandt
Mit Botschaften wie dieser hat Jürgen alias „Kapitän“ Schwandt in den vergangenen Wochen viele Anhänger gewonnen.

Sie selbst zeigen als „Kapitän Schwandt“ im Netz klare Kante gegen die rechte Hetze. Positioniert sich die SPD klar genug?  

Die SPD bezieht klar Stellung, das ist in Ordnung. Allerdings erhalten viele Ressentiments erst dadurch Nahrung, dass die Bundespolitik beim Umgang mit den Flüchtlingen komplett versagt hat. Da muss ganz dringend etwas passieren.

Was meinen Sie genau?

Wenn de Maizèire sagt, Deutschland sei ‚gefordert, nicht überfordert’, dann sage ich: Pustekuchen! Ihr seid überfordert, vor allem die Leute im Bundesamt für Migration sind überfordert. Hunderttausende Asylanträge sind nicht bearbeitet, die Leute hängen in der Luft. Das ist eine ganz hässliche Situation für diese Menschen.

Nutznießer ist die AfD. Wie gefährlich ist diese Partei?

Wenn wir die Probleme bei der Integration und Aufnahme von Flüchtlingen schnell lösen, dann erledigt sich das mit der AfD nach und nach von selbst. Die haben ja gar kein anderes Thema als „Ausländer raus“. Eine Partei der kleinen Leute? Pustekuchen! Im Programm dieser Partei steht etwas anderes. Das haben die meisten ihrer Wähler aber wahrscheinlich nie gelesen.

Apropos Partei: Einige ihrer Fans auf Facebook fordern, Sie sollten in die Politik gehen. Eine Option?

Aber nein, nicht doch. Ich werde jetzt 80 Jahre alt, das ist wohl ein bisschen alt, um jetzt noch einzusteigen. Aber ich beobachte das Geschehen um mich herum aufmerksam und werde das auch weiterhin tun.

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